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Aus unserer Sicht

28. Feb 2011
Warum Sie zu Hause mal über einen privaten Cyber-Sicherheitsrat nachdenken sollten
Gestern Abend schauten wir zwei Folgen unserer derzeitigen Lieblingsshow „Boston Legal“. Nein, sie ist gerade nicht im Programm. Wir haben die ultimative DVD-Box. In einer der beiden Episoden brachte Alan Shaw vor Gericht ein Versicherungsunternehmen zur Strecke, das die Daten seiner Kunden nicht ausreichend geschützt hatte. Über das Online-Portal und im Besitz der Versichertennummer der Ehefrau gelang es einem gewalttätig Veranlagten, den Aufenthaltsort seiner ins Frauenhaus geflüchteten Noch-Gattin ausfindig zu machen, ihr aufzulauern und sie zu ermorden. Zugegeben, eine sehr drastische Folge von Datenschlamperei.
Letzte Woche war nun allseits zu lesen: Herr De Maiziére hat im Kampf gegen Internetkriminalität und für mehr Datensicherheit ein Nationales Cyber-Abwehrzentrum (NCAZ) samt einem passenden Rat ins Leben gerufen. Die öffentliche Meinung schwankt zwischen Lob und Ablehnung, Kommentaren über übertriebene Reaktionen und Mahnungen, das komme doch alles etwas spät. In der „Zeit“ der letzten Woche wurden, trefflich terminiert, die Gefahren des Cloud Computing analysiert und auch Julian Assange, vom Datenskandalör zum kinoreifen Staatsfeind avanciert, steht weiterhin auf der Agenda.
Da entsteht plötzlich ein Gesamteindruck von Dringlichkeit in der öffentlichen Diskussion, der mich verwundert. Egal ob Privathaushalt, Unternehmen oder Bundesorgan – hat denn wirklich wer gedacht, im Internet gälten geringere Spielregeln als im „wahren Leben“? Das ist nicht Paintball. Hier wird echt geschossen, wenn es knallt. Da muss man schon aufpassen.
Die letzte Welle von privater Reichweite zu diesem Thema fegte als Veto-Sturm gegen Google Street View durchs Land. Da bekam auch Schmidtchen Schleicher nasse Füße, schließlich ging’s ums eigene Heim. Ums Eigene. Das ist die Sache. Think global, act local, heißt es doch so schön. Wieso rege ich mich auf, wenn Google meinen hübsch bepflanzten Balkon zur Straßenseite ins Netz stellen will, und verlange die Verpixelung meiner Petunien, wenn ich auf Facebook nicht nur meine gesamte Adresse hinterlege, sondern auch noch die Fotos meiner Wohnungseinrichtung und von wann bis wann ich im Urlaub sein werde. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich finde Facebook toll. Seit auch mich der „soziale“ Ruf ereilt hat, schaue ich, wo ich dabei sein kann. Aber ich setze mich nicht bildlich gesprochen in einen ICE voller fremder Menschen und posaune unkontrolliert meine kompletten Personalien in den Cyber-Raum. Das finden Sie doch auch immer befremdlich, wenn „handy“nierende Mitreisende die Diskretion verpeilen? Im Web ist das ähnlich. Wenn ich online gehe, gehe ich sozusagen auf die Straße – oder steige in den vollen Zug.
Mark Zuckerberg soll als Replik auf die von der Verbraucherschutzministerin befeuerte Datenschutzdebatte einmal gesagt haben, es sei ihm doch gleich, wenn die Leute so dumm wären, ihre persönlichen Daten auf Social Media-Seiten preiszugeben. Manch einer mag das arrogant finden, aber eigentlich hat er nicht unrecht. Datenschutz fängt zuhause an. Er fängt damit an, dass ich mir überlege, wo ich welche Informationen über mich hinterlegen möchte und was vielleicht gar nicht erst ins ICE-Abteil gehört. Es geht damit weiter, dass ich nicht jede Kundenkarte haben muss, nicht überall meine Kreditkartendaten hinterlegen muss und mir im Klaren bin, dass ein kostenloser E-Mail-Anbieter nicht von Altruismus lebt. Wenn ich den Service kostenlos nutze, wird er vermutlich andere Erwerbsquellen haben – und die haben wohl auch irgendwas mit meiner Person zu tun.
Es ist natürlich an der Zeit, dass sich die Gesellschaft als Ganzes verantwortungsvoll über die immensen Chancen, aber auch über die Risiken der schönen, neuen digitalen Welt Gedanken macht. Aber lasst uns bitte nicht dauernd nur nach dem Arm des Gesetzes rufen. Wenn wir uns nur darauf verlassen, selbst aber unsere Köpfe kollektiv in den privaten Web-Sand stecken, dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir plötzlich hochschauen und, platsch!, pinke Farbe im Gesicht haben, die tatsächlich weh tut. Treffer. Versenkt.
Manuela Moore
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