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Aus unserer Sicht

Welcome to the Crowd –  Das Potential der Masse
23rd May, 2011

23. Mai 2011

Eigentlich tendiere ich dazu, mehr an das Individuum zu glauben als an die Masse. Gerade in der Kommunikation denken wir im Moment viel an Communities und Foren, sprechen von Interessensverbänden, Zielgruppen, verschicken Massenaussände und posten auf Pinnwänden. Der individuelle Kontakt mit dem Einzelnen und das Eingehen auf seine spezifischen Interessen und Ansprüche sollten dabei aber nicht zu kurz kommen. Massen bergen das Risiko der Trägheit, aber auch unreflektierter Meinungsvervielfältigung und Hysterie. Einem Einzelnen mit Einfühlungsvermögen und Respekt für seine Ansichten gegenüberzutreten, erschien mir immer der beste Weg.

Jetzt muss ich das revidieren. Denn ich fand auch schon immer, der beste Weg fruchtbarer Kommunikation beruht auf Gegenseitigkeit, auf einem Einbeziehen statt reinem Pushen von Botschaften. Ausgerechnet die Masse bietet dazu nun zwei schöne Ansatzpunkte, die sich an passender Stelle vielversprechend in ein Kommunikationskonzept integrieren ließen: Crowdsourcing und Crowdfunding. Beide Konzepte sind an sich nicht völlig neu, aber es bedarf eines Beitrags über das Fundraising für die neue Rainbow Warrior, um meine Fantasie wirklich anzuregen und mir des vollen Potentials dieser Tools klarzuwerden.

Auf einer interaktiven Website können Besucher einen virtuellen Rundgang durch das geplante Schiff unternehmen und sich einzelne Teile oder Ausrüstungsgegenstände aussuchen, bezahlen und spenden – das Ganze eingebettet in ein wirklich emotional ansprechendes Set-up. Der Erfolg, möglichst schnell das Kapital für den neuen „Krieger“ zu sichern, ist eine Sache. Wirklich großartig aber ist, dass der Spender mit seinem Kauf einen ganz konkreten Beitrag leisten und etwa sagen kann: „Ich habe das Steuer der neuen Rainbow Warrior bezahlt!“ Wie könnte man besser Stakeholder für eine Mission – oder eine Marke – gewinnen, als ihnen das Gefühl zu geben, Teil davon zu sein. Schon das Ausmaß an Aufmerksamkeit an sich, das diese Aktion durch ihre exzellente Umsetzung generiert, ist erfolgreiche PR.

Gelegenheiten zum Fundraising sind in unserem Metier der Technologie-PR nun eher die Ausnahme, aber auch Crowdsourcing sollte viel intensiver für Kampagnenarbeit genutzt werden. Während sich Plattformen wie Quora als Informationsquelle etwa für Wissenschaftler, Journalisten oder PR-Redakteure anbieten, liegt unermessliches Potential brach, das Zielpublikum von Unternehmen durch frühzeitige Integration in Meinungsbildungsprozesse, Botschaften- oder sogar Produkt- oder Marketingentwicklung einzubeziehen. Das ehrliche Angebot, eine Marke mitzugestalten, bindet Kunden. Es stellt zudem die Erschließung von wirklich zielgruppenrelevanten Kommunikationsinhalten für die PR sicher. Produktreviews nicht nur durch die Presse sondern durch End-User, wie etwa auf Ciao, sind Gang und Gäbe. Warum nicht schon vorher die Leute ins Boot holen, für die ich die ganze Chose überhaupt mache? And my mind keeps wandering, was da alles möglich wäre …

Manuela Moore

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